Wettbewerb Überbauung Käppelimatt Sursee LU 1990

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Das Areal liegt in einer kritischen Randlage zwischen dem Gewebe des mittelalterlichen Marktstädtchens Sursee und der Stadtexpansion des 19. und -weiter aussen anschliessend- des 20. Jahrhunderts, die im Spannungsfeld zwischen Bahnhof und Siedlung entstanden ist. Die unmittelbare Nähe zu Stadttor und ehemaliger Stadtmauer, die in Grund- und Aufriss der Wohnbauten entlang der Sure noch ablesbar ist, bietet Anlass, das Bebauungsmuster derjenigen Nutzungsbereichen, die den Wohnnutzungen der historischen Substanz gleichkommt, zu verstehen und daraus Schlüsse für die Käppelimatt zu ziehen.

Das Siedlungsmuster des Städtchens gleicht einer grossen Sonnenuhr, die sich um eine leichte Geländeerhebung fügt. Konsequent richten sich die langen Siedlungszeilen nach den Gegebenheiten der Sonnenbahn; sie teilen das Territorium schroff auf in Gärten auf der Süd- bis Westseite und in Erschliessungszonen in den schattigen rückwärtigen Bereichen.

Der Neubau auf der Käppelimatt bildet eine funktionale wie strukturelle Brücke zwischen Innen-Stadt und Rand-Stadt.

Auf der einen Seite liegt als Ansatz für eine Neuformulierung eine strukturelle Annäherung an die Massstbälichkeit der Altstadt auf der Hand; das Raumprogramm erfordert andererseits eine Dichte, die diejenige der Innenstadt nahekommt. Dabei fällt diese Nutzung in einer Korngrösse an, wie sie allenfalls öffentlichen Räumen wie Kirche oder Rathaus vorbehalten waren: Die Entwurfsaufgabe ist ein Oxymoron.

Deshalb brechen wir das Raumprogramm in 3 ablesbare Teile auf: 

Das Bebauungsmuster CASABLANCA weist als Reverenz gegenüber den grossflächigen Nutzungsbereichen einen eingeschossigen Sockel (PTT / Läden / Parking) auf. 

Die feinkörnigeren Gebäudeteile bedienen sich dieses Sockels wie einer Geländegegebenheit; sie enthalten strukturelle Merkmale der historischen Bebauung: Repetition; Sonnen- und Erschliessungsseite; Feinmassstäblichkeit. Als generierendes Muster dient dasjenige der Kammbebauung (Wohnungen), die als Piano Nobile über dem Sockel liegt. Dessen Erschliessungsmassnahmen übergreifen den Sockel und binden die Bauten turmartig an die Strasse.

Ein langgestreckter Bürobau (Stadtverwaltung / Bank) bildet zum Kamm ein Rückgrat, der die Achse vom Untertor zur Kapelle St.Martin wie eine Stoa begleitet und einen Auftakt zu den kommerziellen Grossbebauungen an der Bahnhofstrasse bildet. Konsequenterweise -als Vertreter dieser Gattung Bau und Herald unserer Zeit- richtet der Bürobau seinen Kopf zum Stadttor.

Zwischen Kamm und Rückgrat entsteht ein halböffentlicher Gartenbereich. 

(Nach der Realisation des 1. Preises 2002 und den entsprechenden Lobeshymnen in der Fach- und Sachpresse empfehlen wir die Lektüre des Grimm'schen Märchens "Des Kaisers neue Kleider")

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