Wettbewerb Sanierung und Ausbau Schulanlage Felsberg Luzern 2010

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HAUS IM PARK:

HISTORISCHE AUFARBEITUNG UND RÜCKSCHLÜSSE AUF DEN ENTWURF

Der Wettbewerbs-Entwurf von Emil Jauch aus dem Jahre 1943 war ein typischer Situations-Winner. Als einziger Beitrag bezog er sich auf die Qualität des Parks, indem er den Neubau an die Nordgrenze rückte, auf die Ausrichtung zur Aussicht verzichtete und den Park mit einer weit ausholenden Geste fasste. Durch die Abdrehung der einzelnen Trakte wurde der Park zum Fokus. Das Haus Felsbergstrasse 18 war im Wettbewerbsprojekt abgebrochen und alle drei Trakte waren gegen Süden freigespielt. Die Bäume blieben jedoch erhalten. Sie sind, zusammen mit der Villa, mittlerweile die wesentlichen Träger des Bildes, die wir von diesem Park haben.

Für uns ist das Schulareal Felsberg gebaut. Das Ensemble mit den angrenzenden Villen ist ein wichtiger Bestandteil des Quartiers und hat einen hohen Erkennungswert.

Wir sehen deshalb auch keinen Anlass, das Haus Felsbergstrasse 18, ein prächtiger Belle-Époque Bau aus dem Jahr 1887 und seinen Anbau von 1903, einem Neubau zu opfern. Dieses Haus war Teil der damaligen Pension Felsberg und ist ein Zeuge aus der Frühzeit des Luzerner Tourismus; zeitgleich mit den grossen Hotelbauten am Quai. Allenfalls ein Abbruch ohne Ersatzbau wäre eine Option; sie würde die Purifizierung der Situation auf die Spitze treiben, denn auch die Dokumentationspläne nach der Fertigstellung zeigen das Haus nicht. Wir lassen es dennoch stehen, weil es ein prägender Bau für das Quartier darstellt, der im kollektiven Gedächtnis von Generationen verankert ist, und weil sich die Rezeption solcher Bauten aus heutiger Warte unter dem Eindruck des rasanten Wandels des Lebensraums wesentlich verändert hat. Wir weisen zudem nach, dass sich die neuen Raumbedürfnisse unter Erhaltung dieses Hauses bestens erfüllen lassen.

Ein Ersatzbau an dieser Stelle ist eine doppelt schlechte Lösung. Zum einen wird die Situation der Gesamtanlage nicht verbessert, indem wiederum ein womöglich noch grösseres Haus vor die umfassende Geste der Pavillonabfolge zu stehen kommt. Zum andern wird ein historisch wertvolles Haus mit hohem Erinnerungswert ohne Not zerstört.

Das Festhalten am Status Quo verschont darüber hinaus die Bäume vom Neubau-Stress. Mammutbäume können hunderte von Jahren alt werden - vorausgesetzt, dass ihr Wurzelwerk weiträumig nicht angetastet wird. Und dieses Konzept stellt auch sicher, dass die Qualitäten, die diesem Haus in der Fach- und Tagespresse seit jeher zugeschrieben wurden, integral erhalten bleiben.

 

UMBAU SCHULHAUS

Die zusätzlichen Raumbedürfnisse für Gruppenzimmer und Arbeitsnischen werden durch eine Raumschicht auf der Nordfassade erfüllt. Diese ist auskragend konzipiert, weil wir keine Stützen für diese Raumschicht wollen; nicht zuletzt deshalb, weil wir die ausdrucksstarke Südfassade mit ihrer Säulenhalle nicht konkurrenzieren möchten.

Die Ausprägung dieser Raumschichten ist pragmatisch. Im Sinne der Detailgestaltung der additiven Teile des bestehenden Hauses sind die Raumschichten konstruktive Holzbauten; sie sind mit grossformatigen Holzwerkstoffplatten verkleidet. Durch diese Schicht fällt auch forthin Licht in die Korridorzone.

Die Struktur der Klassenzimmer bleibt insgesamt bestehen; damit müssen auch die betonierten Überzüge, welche die Decken über der offenen Halle versteifen, nicht angetastet werden. Auch die Nutzungsänderungen für Bibliothek- und Administrationsbereich werden so schonend angegangen, dass einer allenfalls späteren Nutzung als Schulzimmer wenig im Weg steht. Insgesamt muss nur eines der ursprünglichen zwölf Klassenzimmer neu unterteilt werden. Die Fassade ist klar in vier Dreiergruppen unterteilt. Zum integralen Erhalt eines Bauwerks gehört es, dass die innere Struktur nicht durch eine völlig andere Raumteilung gekontert wird - was einer Auskernung nahekommt. Zudem entstehen dadurch unschöne Innenräume, da die Innenansichten durch die Zufälligkeit ungleicher Pfeilerpartien gegliedert werden.

Die unsorgfältig detaillierten Lamellenstoren werden durch die ursprünglich vorhandenen Stoff-Ausstellmarkisen ersetzt. Diese waren immer ein wichtigere Träger für das Bild des Schulhauses; schon im Wettbewerb wurden sie dargestellt. 

Im übrigen werden die Schulzimmer mit einer neuen Beleuchtung versehen; sie orientiert sich an der damaligen, eigens entworfenen Lösung mit Einzel-Pendelleuchten. 

Der Kindergarten verbleibt an seinem Ort. Es wäre barbarisch, diese Räume mit ihrer anrührend liebevollen, kindgerechten Detaillierung einem anderen Zweck zuzuführen.

TRAGWERK RAUMSCHICHT NORD

Die Tragstruktur der Raumschicht besteht aus vorgefertigten Hohlkörperelementen, deren Rippen mit Kerto-Q-Platten versteift werden. Der Hohlraum ist ausgedämmt. Die horizontalen Zugkräfte des auskragenden Dachs werden auf die Betondecke des Gangs übertragen und in die Schulzimmertrennwände geleitet. Diese bilden die Schubverbindung zwischen Decke und Boden. Die Kräfte aus der Bodenplatte der Auskragung können auf den Boden der Schulzimmer des bestehenden Hauses übertragen werden. Damit kommt das System ins statische Gleichgewicht. Die zusätzlichen Lasten fliessen durch die bestehende Rückwand und die Fundation in den Fels.

UMBAU TURNHALLE

Mit bescheidenen Eingriffen können die Garderoben an die neu erforderliche Einteilung angepasst werden.

Die Musikzimmer sind im Erdgeschoss und die Hauswarträume im Obergeschoss der ehemaligen Hauswartwohnung untergebracht. Zudem verbessert sich so die Schallproblematik.

UMBAU FELSBERGSTRASSE 18

Der Kindergarten verbleibt im Erdgeschoss, wo er immer war, im ehemaligen Ballsaal der Pension Felsberg; sein separater Eingang wird jedoch vom später angebauten Windfang befreit und intern erweitert. Von Osten ist der Zugang zum Betreuungsbereich. Im Bereich zwischen den längslaufenden Unterzügen wird die Decke geöffnet. Eine neu organisierte Erschliessung mit Lift und Treppe im neu geöffneten Bereich verbinden die Garderoben im Erdgeschoss mit den Räumen im Obergeschoss. Mit dem Lift ist auch die direkte Anlieferung der Küche sichergestellt.

Der Zwischenboden zum Estrichgeschoss wird entfernt. Das Obergeschoss wird stützenfrei gehalten, indem das Tragwerk des Dachgeschosses entsprechend verstärkt wird. Hier sind die Räume für die Betreuung vorgesehen. Die Küche ist als Raum-im-Raum gedacht - ein Aedicula-Prinzip.

Im Anbau des Ballsaals nimmt die Nutzung Rücksicht auf die Zugstangen des Hängewerkes, das die Decke über dem Erdgeschoss trägt: es werden einzelne Raumzonen artikuliert.

Die brandschutztechnischen Vorgaben wie Vollschutz, nicht-brennbarer Ausbau und Fluchtwegsicherung müssen mit der GVL objektspezifisch besprochen werden und sind lösbar.

TRAGWERK FELSBERGSTRASSE 18

Das Tragwerk in den Aussenwänden und den wichtigsten Innenwänden bleibt erhalten. Die Decken werden teilweise mit Stahlprofilen verstärkt, um die grossen Räume und die Auswechslungen für die Treppenanlage zu ermöglichen. Filigrane Stahlzugstangen verstärken das Holzdach. Der neue Lifteinbau in Beton hilft, die Aussteifung der Konstruktion zu ertüchtigen. Die Gesamtlast des Gebäudes bleibt erhalten, weshalb keine Verstärkungen der Fundation erforderlich werden.

UMGEBUNG

Der Park ist geprägt von einem gepflegten Rasen mit Baumriesen. Der Park bleibt so, wie er ist, es werden nur einzelne restauratorische Massnahmen getroffen. Die geschwungene Form der Ränder der Pausenplätze wird wieder hergestellt, ebenso die Baumpflanzungen (Götterbäume) vor den Pausenhöfen. Sie strukturieren und beleben die Pausenplätze. Der Spielplatz wird dem Kindergarten zugeordnet. Als alternatives Spielgerät ist ein System mit Holzbalken ("Einhundert Hölzer") geplant, welches sich dem alten Baumbestand zurückhaltend unterordnet. Für allfällige Ersatzpflanzungen müssen zukünftig wieder die ursprünglichen Leitarten verwendet werden (z.B. Birke).

Die bestehenden Waschbetonkübel, die aus dem Stadtjubiläum von 1980 von der damaligen Seebrücke stammen, werden entsorgt. Als kleine Korrektur wird der Seepferdchenbrunnen wieder an seinen angestammten Platz versetzt, so wie dies die Aufnahmen von Otto Pfeiffer belegen. Auch der für diesen Bau typische Bodenbelag von wildförmig verlegten, verschiedenfarbigen Granitplatten um den Brunnen wird zusammen mit der Bepflanzung wieder hergestellt.

Die mit Verbundsteinen institutionalisierte Abkürzung entlang der prägnanten Bollensteinfassade des Singsaals wird aufgehoben. Das Bronze-Fohlen gehört nicht zum originalen künstlerischen Schmuck, es ist aber bei den Kindern sehr beliebt und darf deswegen stehen bleiben.

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