Internationaler wettbewerb spreebogen berlin 1992

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Der zunehmenden Entfremdung des Staatsbürgers gegenüber dem Apparat des parlamentarischen Betriebes wollen wir ein bauliches Konzept entgegenhalten, das geeignet ist, Schwellenangst zum einen und wachsender Gleichgültigkeit zum anderen entgegenzutreten. Kernstück des Projektes ist deshalb das Bürgerforum als Ausdruck der demokratischen Selbstverständlichkeit und der Offenheit des parlamentarischen Betriebes: ein langgestreckter Raum, der die städtischen Aktivitäten und den öffentlichen Verkehr mit den Geschehnissen innerhalb des Parlaments und der zugeordneten Diensten verknüpfen soll. An ihn als generatives Element des Entwurfes gliedert sich die kammförmige Bebauung der Bundestags-Verwaltung; an dessen Endpunkt wird die Verwaltung des Bundeskanzleramtes mit einer öffentlichen Flussüberquerung überlagert.

Auf der räumlichen Ebene sucht das Bürgerforum einen Dialog mit dem Reichstag: wohl transparent, aber auch ausgedehnter. Es ist die nachts leuchtende Leinwand und der tags transparente Hintergrund für das historische Gebäude. Zusammen mit dem Reichstagsgebäude und -zunächst- der westlich gelegenen Verwaltung des Bundeskanzleramts, eventuell künftig des Bundesratsgebäudes umgrenzt es einen nach Süden zur Strasse des 17. Juni hin offenen, grossstädtisch anmutenden Platz, der mit dem Fahnenfeld der Kommunen (Prinzip des Föderalismus und der Identifikation mit dem unmittelbaren Lebensumfeld versus den Anspruch der Internationalität) möbliert ist. Mit dieser Geste bildet sich eine räumliche Ausweitung der wichtigsten Ost-West-Achse. Der Platz bezieht sich so deutlich wie möglich auf diesen monumentalen Strassenzug.

Nach Norden schliesst das Bürgerforum einen ruhigen, parkartigen Raum ab: Berlin an der Spree - ein von Fusswegen durchzogener Naherholungsbereich, Begegnungsort für Berliner, Besucher und Mitarbeiter des Parlaments.

Symbolisch überquert das Bundeskanzleramt die Spree und verknüpft damit die beiden Ufer. Kern für eine künftige Entwicklung von weiteren Verwaltungsbauten, aber auch Wohnzeilen und städtische Infrastruktur für Konsum und Freizeit. Der Lehrter Bahnhof mit seiner überregionalen Bedeutung soll hier zum Träger für ein solches Angebot an urbanen Funktionen werden. 

Die übrigen Flächen nördlich der Spree sehen wir als Bereiche für Stadtreparaturmassnahmen; Bauten, die in Höhenentwicklung und Struktur sich an bestehende Muster anlehnen und auf städtebaulichem Weg die Verbindung zu den Quartieren sicherstellen.

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